Leitbild der Gemeinde

A Grundlegung

„Ihr seid ... Gottes Bau. ... Einen anderen Grund Kann niemand gelegen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“  (1. Korinther 3,11)

Das Neue Testament Bild vom „ Haus der Gemeinde Jesu Christi“ ist eines der anschaulichsten ekklesiologischen Bilder. Es hat zwar gegenüber den Bildern vom „ wandernden Gottesvolk“ (Exodus, Hebräerbrief),  dem “einen Leib aus vielen Gliedern“ (1. Kor. 12) oder dem „Schiff, das sich Gemeinde nennt“ (Mk 4) eine gewisse Statik, Kann aber in besonderer Weise festhalten und verdeutlichen dass

  1. Gott selber seine Gemeinde und Kirche gebaut und erhält
  2. Jesus Christus zugleich Fundament und Maßstab für Leben und Handeln seiner Gemeinde und Kirche ist und bleibt

Das Selber also baut seine Gemeinde und ruft und befähigt zum Leben in der Nachfolge Jesu Christi und dazu, „ die Botschaft von der freien Gnade Gottes auszurichten an alles Volk.“ (Barmen IV)

B Was für ein Haus der Gemeinde sollen und wollen wir als Evangelische Kirchengemeinde Duisburg-Neudorf-West sein?

1 Die Herberge am Weg

Das Haus der Gemeinde, das wir sein sollen und wollen, zeichnet sich dadurch aus, dass es Menschen zum Rasten, Verweilen, zur Ruhe kommen, Einander und Gott begegnen, Mut schöpfen für den Weg einlädt. Wie bei einer Herberge am Weg stehen viele Türen für jede und jeden offen, die eintreten wollen (oder hierher geführt wurden). Dieser grundsätzliche Charakter der Einladung und der Offenheit soll nach außen und  Innen deutlich werden.  Aus Gästen und Fremdlingen werden Mitbewohner der Heiligen und Gottes Hausgenossen. Auch wenn der Weg irgendwann irgendwohin weiterführt, bleibt diese Gemeinschaft bestehen. Sie kann als flüchtig und vorübergehend empfunden werden, zielt auch auf Verbindlichkeit und Dauer, erhebt aber weder Eintritt noch  übt sie Zwang aus, aus  Achtung vor der Würde, dem Recht und der Eigenverantwortlichkeit aller und jedes/jeder Einzelnen  vor Gott. Denn wir haben hier keine bleibende Statt, aber die zukünftige suchen wir.

2 Die Kirche für andere

Gemeinde Jesu Christi ist nur da Kirche, wo sie Kirche für andere ist. Dietrich Bonhoeffer ist zu dieser theologischen Grunderkenntnis dadurch gekommen, dass er nach dem einen Herrn dieser Kirche neu gefragt hat: „ Wer ist Jesus für uns heute?“ Und er hat geantwortet: „ Das „Für-andere-da-Sein“ Jesu ist die Transzendenzerfahrung! Aus der Freiheit von sich selbst, aus dem „Für-andere-da-Sein“ bis zum Tod entspringt erst die Allmacht, Allwissenheit, Allgegenwart.  Glaube ist das Teilnehmen an diesem Sein Jesu... unser Verhältnis zu Gott ist ein neues Leben in „Dasein-für andere“, in der Teilnahme am Sein Jesu.“ (Widerstand und Ergebung 209)

Als Gemeinde Jesu Christi wollen und sollen wir uns darum bemühen, für andere da zu sein, einladend, offen, einfühlsam, wegweisend, menschlich, hilfsbereit und bereit zum Zeugnis von dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn. Dabei werden vor allem die in den Blick kommen, die zu den „Geringsten“ gerechnet werden, denn: „ was ihr getan habt einem/einer unter diesen Geringsten, das habt ihr mir getan!“ spricht  der Herr. (Mt  25)

3 Die Kirche im Stadtteil

Gemeinde Jesu Christi lebt und geschieht an konkreten Orten, unter konkreten Lebens-, Wohn- und Arbeitsbedingungen, hier und jetzt also. Gerade weil sie für andere und besonders für Benachteiligte und „Geringe“ da ist, gilt ihr Augenmerk denen in ihrem Umfeld besonders, die mit Nöten und Schwierigkeiten ihres Lebens, Wohnens, Arbeitens zu kämpfen haben. In unserem Stadtteil Neudorf werden wir darum Kindern, Jugendlichen, älteren Menschen, Menschen mit besonderen Belastungen und Lebenssituationen oder -krisen nahe zu sein versuchen. Die Entwicklungen im Stadtteil sind auch für unsere Gemeinde wesentlich und wir werden versuchen, darauf einzugehen.

Das  gilt für persönliche Erfahrungen (Seelsorge und Begleitung, Angebote für die verschiedenen Lebensphasen, Gemeinschaft in Gottesdienst, Alltag, Trauer und Feier) wie für strukturelle Veränderungen (Arbeitslosigkeit, Bindungsverluste, Vereinsamung, Familienstrukturen). Wir wollen und sollen dabei die Kirche „im Dorf“, im Stadtteil lassen, sein und bleiben, so, wie unsere Christuskirche seit ihrer Errichtung und den Anfängen des Stadtteils eben mitten in Neudorf steht und bleibt. Wir wollen und sollen „der Stadt Bestes“ suchen.

4 Die Kirche in der einen Welt

Gemeinde Jesu Christi ist (auch als Herberge am Weg, Kirche für andere und Kirche im Stadtteil) Teil der weltweiten Ökumene (wörtlich: „ bewohnter Weltkreis“).  Darum wird sie teilhaben und teilnehmen am Prozess für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung, der großen Mission (Sendung)  Gottes unter uns, und all(sonn) täglich beten: „DEIN  Reich  komme!“.  Über Kirchenzäune und -mauern hinweg wollen und sollen wir darum Kontakt suchen und halten zu Geschwistern anderer Konfession, anderer Tradition, ja anderer Glaubens- und Lebenserfahrungen.
Das macht uns offen für ökumenische Gespräche und Lernprozesse, für besondere (auch fremde und tabuisierte)  Erfahrungen von Flucht, Gewalt, Ungerechtigkeiten und Krieg auf unserer einen (!) Welt.

 Wir wollen und sollen die Verantwortung für eine menschliche, gerechte, friedliche Welt annehmen und teilen, vor Ort und wohin immer unsere Aufmerksamkeit gelenkt wird, im Vertrauen auf die Zusage Gottes: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig!“ und eingedenk unseres Auftrags der „Wegbereitung für das Kommen der Gnade“ (Bonhoeffer, Ethik 145f).

C Türen zur Herberge am Weg

Die Zugänge zur Gemeinde Jesu Christi, zum Haus, das Gott selbst baut und erhält, zur „Herberge am Weg“, die wir sein sollen und wollen, sind vielfältiger Gestalt, weil und wie das Leben selbst vielfältig ist, Gott sei Dank. Es gibt große Portale und kleinere Türchen, deutlich sichtbare Türen und eher versteckte Zugänge. Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie offen stehen und einladen. Unsere größeren Türen zum Haus der Gemeinde sind und sollen auch weiterhin sein: der evangelische Kindergarten, das evangelische Jugendzentrum, die Begegnungsstätte, die kirchenmusikalischen Gruppen und Veranstaltungen und unsere Gemeinderäume.